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- Abnahme der Webseite durch Herrn Schneider
## Zeitplan
- Abnahme Herr Schneider: xx. Juni
- Abnahme Herr Schneider: ~Anfang Juli
- Vorbereitung Abnahme: ~Mitte Juni
- Feedbackrunde (OSO, ÖA):
- Webseite fertig:
- Nächste TelCo:
## Todo
- Backlog erstellen:
- Liste Stefan mit Softwaretools (mehrfach erinnert)
- PYG (Florian bereits erinnert)
- Liste Stefan mit Softwaretools ()
- PYG ()
- RSEs in Deutschland ()
- UB Dienstleistungen für Forschende ()
- UB Dienstleistungen für Softwareentwickler*innen ()
- GitLab der Uni Leipzig ()
- Schnittstelle zum Forschungsdatenmanagement der Uni Leipzig ()
-
- Schnittstellendokumentation
- LOD (LOD-Projekt noch nicht so weit)
- LOD (SPARQL - Dokumentation wird erstellt, ich koordiniere)
- SRU, Z39.50 - Citavi (Im Mai UB Blogbeitrag geplant, Dokumentation bereits auf UB-Webseite: https://www.ub.uni-leipzig.de/recherche/literaturverwaltung/)
- DAIA (Annika angefragt)
- METS/MODS (?)
- DAIA (Annika angefragt), URI-Auflösung
- METS/MODS (IIIF)
- Blogbeitrag 'Open Source Software' für den UB Blog (Idee)
- Abstimmung mit dem OSO zur Integration der Dienstleistungen
- Beratungsprinzipien erstellen?
- Testen
## Do
- Hinweise Barrierearmut Claas umsetzen (https://projekte.ub.uni-leipzig.de/issues/17319)
......
Das UB Lab der Universitätsbibliothek Leipzig widmet sich dem Thema Forschungssoftware. Mitarbeiter*innen des UB Lab beraten Forschende bei der [Nutzung](http://lab.ub.uni-leipzig.de/ub-lab/fuer-anwender/) als auch bei der [Entwicklung](http://lab.ub.uni-leipzig.de/ub-lab/fuer-entwickler/) von Forschungssoftware. Aber was ist nun eigentlich Forschungssoftware? Verkürzt können wir die Frage vielleicht so beantworten: Forschungssoftware ist Software, die Forschende im Laufe des Forschungsprozesses für die Planung, die Erhebung, die Umwandlung, die Analyse und die Präsentation von Forschungsdaten verwenden. Die Autor*innen einer [Handreichung der DFG zum Thema Forschungssoftware](https://doi.org/10.5281/zenodo.1172969) beantworten die Frage ähnlich, indem sie jene Softwareprogramme als Forschungssoftware deklarieren, die "*zur Simulation, zur Generierung, Verarbeitung, Analyse und Visualisierung von Forschungsdaten sowie zur Steuerung von Forschungsgeräten und Experimenten*" verwendet werden. Der Arbeitskreis Open Science der Helmholtz-Gemeinschaft [versteht unter Forschungssoftware](https://www.doi.org/10.2312/OS.HELMHOLTZ.007) "*alle Formen von Programmcode (z. B. Quellcode nebst zugehörigen Dokumentationen, Parametern und Workflows) und daraus generierten ausführbaren Programmen \[...\] die im Rahmen einer wissenschaftsbezogenen Tätigkeit*" entwickelt und genutzt werden. Aus diesem grundlegenden Verständnis von Forschungssoftware lassen sich nun wiederum weitere Fragen ableiten, die zur Schärfung des Begriffs beitragen.
**Forschungs- und Nichtforschungssoftware**
Eine der häufig gestellten Fragen betrifft den Unterschied von Forschungssoftware und herkömmlicher, *Nicht*-Forschungssoftware. Dieser Unterscheidung können wir uns aus zwei Richtungen nähern. Zum einen können wir die Tätigkeit des Forschens betrachten und überlegen, wann bestimmte Handlungen als Forschung bezeichnet werden und wann nicht. Hierfür kann der Forschungsprozess und die einzelnen Schritte darin herangezogen werden, um zu definieren, welche Tätigkeiten als Forschungshandlungen bezeichnet werden. In [Schnell, R.; Hill, P. B. & Esser, E. Methoden der empirischen Sozialforschung, De Gruyter Oldenbourg, 2018](https://katalog.ub.uni-leipzig.de/Record/0-101961966X) besteht ein relativ generischer Forschungsprozess aus Kategorien wie z.B. Theoriebildung, Operationalisierung, Datenerhebung und -analyse, um nur einige zu nennen. Diese ließen sich auch noch weiter in Unterkategorien aufteilen. In dieser Lesart sind Handlungen Forschungshandlungen, wenn sie sich einer dieser Kategorien zuordnen ließen. Für Softwarewerkzeuge heißt dies, wenn sie Teil dieser Forschungshandlungen sind, dann sind die Werkzeuge als Forschungssoftware zu verstehen.
Zum anderen können wir uns der Unterscheidung von Forschungs- und *Nicht*-Forschungssoftware auch über die Betrachtung der Software selber annähern. Eine Software bietet den Nutzenden bestimmte Funktionen an, mit denen bestimmte Aufgaben unterstützt werden. So hilft die Funktion \\\'Daten Sortieren\\\' dabei, die Aufgabe zu bewältigen, eine Tabelle nach bestimmten Kriterien zu sortieren und anzuzeigen, was wiederum für die Analyse von Daten interessant sein könnte. In dieser Hinsicht wäre dann Forschungssoftware jene Software, die Funktionen zum Verarbeiten von Forschungsdaten anbietet.
**Der Kontext macht Software zur Forschungssoftware**
In beiden Herangehensweisen spielt jedoch der Kontext eine wichtige Rolle. So kann im ersten Fall, der Verwendung im Rahmen von Forschungshandlungen, eine Software X durch Forschende an einem bestimmten Punkt im Forschungsprozess Anwendung finden, was die Software X für diese Forschenden zur Forschungssoftware macht. Andere Forschende wiederum verwenden statt der Software X eine Software Y für eben jenen Prozessschritt im Forschungsprozess und kämen nie auf die Idee, Software X zu verwenden, weswegen diese für sie auch nicht als Forschungssoftware angesehen wird. Im zweiten Fall, hinsichtlich der Funktionalität von Software, ließe sich eine bestimmte Funktion sowohl auf Forschungsdaten als auch auf *Nicht*-Forschungsdaten anwenden. Diese Software würde im Forschungsdatenfall als Forschungssoftware erachtet und im *Nicht*-Forschungsdatenfall eben nicht als Forschungssoftware. Am Beispiel einer Software zur Tabellenkalkulation, bspw. [LibreOffice Calc](https://www.libreoffice.org/discover/calc/), lassen sich beide Herangehensweisen verdeutlichen. Auch wenn sicherlich viele sagen würden, Software zur Tabellenkalkulation sei keine Forschungssoftware, so wird diese in der Praxis sehr wohl für die Aufbereitung und Analyse von Forschungsdaten verwendet, sprich sie findet Anwendung im Forschungshandeln. Auch beim Betrachten der einzelnen Funktionen einer Tabellenkalkulation stellen wir fest, das diese sowohl auf Forschungsdaten als auch auf *Nicht*-Forschungsdaten angewandt werden kann.
**Der PC als Forschungsgerät?**
Außerdem möchte ich kurz auf die anfangs zitierten Definitionen von Forschungssoftware eingehen. Die Autor*innen der DFG-Handreichung sprechen in ihrer Definition auch von Forschungssoftware, wenn diese der "*Steuerung von Forschungsgeräten und Experimenten*" dient. Und auch an diesem Punkt stellt sich wieder die Frage, welches Handeln ein Gerät zu einem *Forschungs*gerät macht. Mittlerweile gehört der PC zur Standardausrüstung von Forschenden und dessen Steuerung, das Betriebssystem, könnte somit ebenso als Forschungssoftware klassifiziert werden - eine Lesart, die die Autor*innen der DFG-Handreichung sicher nicht im Sinn hatten. Sozial- oder Geisteswissenschaftler*innen werden sich wiederum an dem Passus "*Steuerung \[...\] von Experimenten*" reiben. Experimente sind häufig Bestandteil von naturwissenschaftlichen und seltener von sozialwissenschaftlichen Forschungsprozessen. In meinen Augen kann diese Verengung auf Experimente umgangen werden, in dem auf die *Steuerung des Forschungsprozesses* verwiesen wird. Denn auch Methoden wie Umfragen, Interviews oder Tagebücher können von Software gesteuert werden.
**Die Dokumentation von Forschungssoftware: wichtig für Nachvollziehbarkeit von Forschungsergebnissen und die Nachnutzbarkeit von Software**
Der Arbeitskreis Open Science der Helmholtz-Gemeinschaft bezieht auch "*Quellcode nebst zugehörigen Dokumentationen, Parametern und Workflows*" in sein Verständnis von Forschungssoftware ein. Das hieße, dass bspw. ein Handbuch dann als (Forschungs-)Software zu verstehen ist, wenn es sich um ein Handbuch für eine (Forschungs-)Software handelt. Ich glaube nicht, dass ein solches Verständnis praktikable Relevanz entwickeln kann. Gleichwohl wird damit ein wichtiger Aspekt von Softwareentwicklung angesprochen, den der Arbeitskreis Open Science sicherlich mit dieser Aussage im Blick hatte. Zu den Standards in der Softwareentwicklung gehört es u.a. auch, Qualitätskriterien hinsichtlich der Dokumentation des Softwarecodes einzuhalten. Dazu zählt, funktionierende Parameter und Workflows für die Software zur Verfügung zu stellen. Erst damit wird es für Außenstehende möglich, Forschungsergebnisse, die mithilfe von Software gewonnen wurden, nachzuvollziehen. Ebenso wird die Nachnutzbarkeit von Software entscheidend verbessert, wenn die Nutzenden Kenntnisse über Funktionsweisen der Software mit an die Hand bekommen.
Zusammenfassend können wir sagen, dass ein Softwarewerkzeug nicht pauschal in die Kategorie Forschungssoftware eingeordnet werden kann. Erst der konkrete Anwendungskontext macht eine Software zur Forschungssoftware. Was als Forschungssoftware erachtet wird, ist situativ unterschiedlich und liegt somit im Auge des Betrachters. Und so zeigen sich Unterschiede in der Auslegung des Begriffes Forschungssoftware, wenn sich Natur- oder Sozialwissenschaftler*innen mit ihren unterschiedlichen Verständnissen des Forschungsprozesses dem Begriff nähern oder aber Vertreter*innen der Open-Science-Bewegung, denen die Offenheit des Forschungsprozesses und damit Nachvollziehbarkeit der Forschungsergebnisse und Nachnutzbarkeit sowohl von Daten als auch von Software am Herzen liegen.
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